{"id":25980,"date":"2026-08-12T09:07:55","date_gmt":"2026-08-12T08:07:55","guid":{"rendered":"https:\/\/lindemannlaw.ch\/?p=25980"},"modified":"2026-08-12T10:17:43","modified_gmt":"2026-08-12T09:17:43","slug":"globale-mindeststeuer-als-chance-wie-die-schweiz-ihre-steuerstaerke-ausbaut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lindemannlaw.ch\/de\/insights2\/globale-mindeststeuer-als-chance-wie-die-schweiz-ihre-steuerstaerke-ausbaut\/","title":{"rendered":"Globale Mindeststeuer als Chance: Wie die Schweiz ihre Steuerst\u00e4rke ausbaut"},"content":{"rendered":"<p><em>FuW-Meinungsartikel von Dr. iur. Alexander Schiemenz, LINDEMANNLAW, Juli 2026<\/em><\/p>\n<p><strong>Die Schweiz ist steuerlich weiterhin hervorragend aufgestellt. Doch die globale Mindestbesteuerung schm\u00e4lert einen ihrer wichtigsten Standortvorteile. Statt in steuerpolitischen Fatalismus zu verfallen, sollte das Land seine bew\u00e4hrten St\u00e4rken ausbauen und \u00fcberf\u00e4llige Reformen endlich umsetzen.<\/strong><\/p>\n<h1><strong>Wie steht die Schweiz steuerlich im internationalen Vergleich da?<\/strong><\/h1>\n<p>Der Bundesrat stellt der schweizerischen Steuerpolitik in seinem Bericht zum Postulat von Nationalrat Beat Walti ein grunds\u00e4tzlich gutes Zeugnis aus. Das f\u00f6deral aufgebaute Steuersystem, die breite Einnahmenbasis und die im internationalen Vergleich moderate Belastung h\u00e4tten sich bew\u00e4hrt. Gleichzeitig ortet er insbesondere bei der Unternehmensbesteuerung dringenden Handlungsbedarf. Das ist die richtige Diagnose. Nun m\u00fcssen daraus allerdings rasch die richtigen politischen Konsequenzen gezogen werden.<\/p>\n<p>Die Ausgangslage ist besser, als es die schweizerische Neigung zur Selbstkritik bisweilen vermuten l\u00e4sst. Die Fiskalquote betr\u00e4gt rund 27% des Bruttoinlandprodukts. Im Durchschnitt der OECD-Staaten sind es etwa 34%. Auch die Belastung von Arbeitseinkommen und Unternehmensgewinnen liegt unter dem Niveau vieler Industriestaaten. Zwar ist beim Vergleich Vorsicht geboten: Obligatorische Krankenkassenpr\u00e4mien und Beitr\u00e4ge an die berufliche Vorsorge werden in der Schweiz nicht zur Fiskalquote gez\u00e4hlt. Doch selbst unter Ber\u00fccksichtigung dieses Vorbehalts bleibt die Belastung vergleichsweise moderat.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-25981 size-large aligncenter\" src=\"https:\/\/lindemannlaw.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/grafik_fiskalquote_oecd_2024-1024x666.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"666\" srcset=\"https:\/\/lindemannlaw.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/grafik_fiskalquote_oecd_2024-1024x666.png 1024w, https:\/\/lindemannlaw.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/grafik_fiskalquote_oecd_2024-300x195.png 300w, https:\/\/lindemannlaw.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/grafik_fiskalquote_oecd_2024-768x500.png 768w, https:\/\/lindemannlaw.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/grafik_fiskalquote_oecd_2024-1536x999.png 1536w, https:\/\/lindemannlaw.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/grafik_fiskalquote_oecd_2024-2048x1332.png 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Das ist keine statistische Nebens\u00e4chlichkeit, sondern Ausdruck eines erfolgreichen Staatsverst\u00e4ndnisses. Wo der Staat einen kleineren Teil der wirtschaftlichen Wertsch\u00f6pfung beansprucht, verbleiben Unternehmen und Privaten grunds\u00e4tzlich mehr Mittel f\u00fcr Investitionen, Innovation, Konsum und Eigenverantwortung. Gleichzeitig zwingt eine moderate Fiskalquote den Staat, seine Mittel effizient einzusetzen.<\/p>\n<h1><strong>Worin liegen die eigentlichen St\u00e4rken des Schweizer Steuersystems?<\/strong><\/h1>\n<p>Zu den St\u00e4rken der Schweiz geh\u00f6rt nicht nur die H\u00f6he der Steuern. Ebenso wichtig sind Berechenbarkeit, Rechtssicherheit und eine vergleichsweise zug\u00e4ngliche Verwaltung. Privatpersonen k\u00f6nnen ihre Steuererkl\u00e4rung in der Regel selbst elektronisch ausf\u00fcllen. Unternehmen haben direkten Zugang zu den kantonalen Steuerverwaltungen und k\u00f6nnen komplexe Sachverhalte vorab mittels verbindlicher Steuerrulings kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Das schweizerische Steuersystem ist wegen seiner drei staatlichen Ebenen und zahlreicher Abz\u00fcge gewiss nicht in jeder Hinsicht einfach. Im Vergleich mit kaum mehr \u00fcberblickbaren Regelwerken grosser Staaten ist es jedoch praxisnah, verl\u00e4sslich und b\u00fcrgern\u00e4her. Genau diese administrative Qualit\u00e4t ist ein eigenst\u00e4ndiger Standortvorteil.<\/p>\n<div class=\"ast-oembed-container \" style=\"height: 100%;\"><iframe title=\"Globale Mindeststeuer: Was sie f\u00fcr die Schweiz bedeutet\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/WH-FY5YpWPU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<p>Eine zweite St\u00e4rke ist der Steuerwettbewerb. Rund 40% der Fiskaleinnahmen entfallen auf Kantone und Gemeinden. Die Kantone bestimmen ihre Tarife selbst und m\u00fcssen den Steuerpflichtigen zeigen, welche Leistungen sie f\u00fcr deren Geld erbringen. Dieser Wettbewerb ist politisch gewollt. Er diszipliniert die Ausgabenpolitik, f\u00f6rdert unterschiedliche L\u00f6sungen und verhindert, dass sich ein einziger steuerpolitischer Irrtum \u00fcber das ganze Land ausbreitet.<\/p>\n<p>Besonders deutlich zeigt sich dies bei den Unternehmenssteuern. Der durchschnittliche kantonale Gewinnsteuersatz ist von 17,8% im Jahr 2016 auf 14,43% im Jahr 2026 zur\u00fcckgegangen. Bei den maximalen Einkommensteuers\u00e4tzen nat\u00fcrlicher Personen fiel der R\u00fcckgang geringer aus, doch auch dort wirkt der Wettbewerb. 2026 reicht die Belastung hoher Einkommen von 21,9% in Zug bis \u00fcber 43% in Genf. Bei den ordentlichen Unternehmenssteuern liegt Luzern mit 11,66% mittlerweile knapp vor Zug mit 11,71%.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-25982 size-large aligncenter\" src=\"https:\/\/lindemannlaw.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/grafik_steuerwettbewerb_kantone_2016_2026-1024x659.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"659\" srcset=\"https:\/\/lindemannlaw.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/grafik_steuerwettbewerb_kantone_2016_2026-1024x659.png 1024w, https:\/\/lindemannlaw.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/grafik_steuerwettbewerb_kantone_2016_2026-300x193.png 300w, https:\/\/lindemannlaw.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/grafik_steuerwettbewerb_kantone_2016_2026-768x495.png 768w, https:\/\/lindemannlaw.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/grafik_steuerwettbewerb_kantone_2016_2026-1536x989.png 1536w, https:\/\/lindemannlaw.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/grafik_steuerwettbewerb_kantone_2016_2026-2048x1319.png 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Zug bleibt dennoch ein Vorbild. Nicht allein wegen eines einzelnen Steuersatzes, sondern wegen des Gesamtpakets aus kurzen Wegen, unternehmerischer Verwaltung, Rechtssicherheit, internationaler Ausrichtung und gezielter Innovationsf\u00f6rderung. Der Kanton unterst\u00fctzt seit 2026 substanzgebundene Innovations- und Nachhaltigkeitsprojekte und reagiert damit fr\u00fch auf die neue Welt der Mindestbesteuerung. Andere Kantone d\u00fcrfen sich davon durchaus eine Scheibe abschneiden.<\/p>\n<h1><strong>Wie l\u00e4sst sich die Steuerbasis langfristig sichern?<\/strong><\/h1>\n<p>Die langfristige Sicherung der Staatseinnahmen darf nicht mit m\u00f6glichst hohen Steuers\u00e4tzen verwechselt werden. Entscheidend ist eine breite und wachsende Steuerbasis. Unternehmen, die investieren, Arbeitspl\u00e4tze schaffen und Gewinne erwirtschaften, zahlen Gewinnsteuern. Ihre Besch\u00e4ftigten entrichten Einkommenssteuern, beziehen weniger staatliche Leistungen und sorgen mit ihrem Konsum f\u00fcr weitere Einnahmen.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re unseri\u00f6s, aus jeder Steuersenkung automatisch h\u00f6here Staatseinnahmen abzuleiten. Doch ebenso falsch ist die rein statische Annahme, wonach eine Senkung um einen Prozentpunkt zwingend zu einem entsprechenden Einnahmenausfall f\u00fchrt. Steuern ver\u00e4ndern das Verhalten. Sie beeinflussen Arbeitsleistung, Unternehmensgr\u00fcndungen, Finanzierungsentscheide, Investitionen und die Wahl des Standorts. Bei mobilen Unternehmen und hoch qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften sind diese Reaktionen besonders ausgepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Die kluge schweizerische Strategie lautet deshalb: <strong>attraktive S\u00e4tze auf einer m\u00f6glichst breiten Grundlage statt hohe S\u00e4tze auf einem schrumpfenden Substrat.<\/strong> So lassen sich Standortattraktivit\u00e4t und solide Staatsfinanzen miteinander verbinden.<\/p>\n<h1><strong>Was bedeutet die globale Mindeststeuer konkret f\u00fcr die Schweiz?<\/strong><\/h1>\n<p>Die globale OECD\/G20-Mindestbesteuerung stellt dieses Modell nicht grunds\u00e4tzlich infrage, begrenzt aber den Handlungsspielraum. Sie gilt f\u00fcr international t\u00e4tige Unternehmensgruppen mit einem weltweiten Umsatz von mindestens 750 Mio. \u20ac. Die grosse Mehrheit der Schweizer Unternehmen, insbesondere die KMU als R\u00fcckgrat unserer Wirtschaft \u2013 f\u00e4llt nicht darunter. F\u00fcr sie bleibt der kantonale Steuerwettbewerb vollst\u00e4ndig relevant.<\/p>\n<p>Die Schweiz hat die nationale Erg\u00e4nzungssteuer 2024 und die internationale Prim\u00e4rerg\u00e4nzungssteuer 2025 eingef\u00fchrt. Auf die sekund\u00e4re Erg\u00e4nzungssteuer hat der Bundesrat vorerst verzichtet, weil sie erhebliche rechtliche Unsicherheiten und nur ein geringes Einnahmenpotenzial mit sich bringen w\u00fcrde. Das ist vern\u00fcnftig. Soweit die betroffenen Konzerne ohnehin bis auf 15% nachbesteuert werden, soll dieses Steuersubstrat nicht ausl\u00e4ndischen Finanzministern \u00fcberlassen werden.<\/p>\n<p>Doch daraus darf keine freiwillige schweizerische \u00dcbererf\u00fcllung entstehen. Die Mindeststeuer ist eng, zielgenau und administrativ so einfach wie m\u00f6glich umzusetzen. Sie darf weder auf KMU ausgedehnt werden noch zum Vorwand f\u00fcr generelle Steuererh\u00f6hungen dienen. Und die Schweiz muss laufend pr\u00fcfen, ob ihre Umsetzung angesichts internationaler Sonderregeln und der fragmentierten Beteiligung grosser Staaten noch den eigenen Interessen entspricht.<\/p>\n<p>Die Mindestbesteuerung beendet den Steuerwettbewerb nicht. Sie ver\u00e4ndert seine Instrumente. Der Bundesratsbericht zeigt zu Recht verschiedene Handlungsm\u00f6glichkeiten auf. Die schweizerische Bemessungsgrundlage sollte besser mit den internationalen GloBE-Regeln abgestimmt werden, damit Unternehmen nicht durch das Zusammenspiel zweier unterschiedlicher Systeme \u00fcberbesteuert werden. Gleichzeitig sind substanzgebundene Instrumente auszubauen, die Investitionen, Forschung, qualifizierte Arbeitspl\u00e4tze und echte Wertsch\u00f6pfung in der Schweiz f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>In Betracht kommen insbesondere qualifizierte Steuergutschriften und andere international anerkannte F\u00f6rderinstrumente f\u00fcr Forschung und Entwicklung. Diese d\u00fcrfen nicht zu einer Subventionsb\u00fcrokratie mit politischer Auswahl einzelner Gewinner verkommen. Sie m\u00fcssen regelbasiert, transparent und f\u00fcr Unternehmen berechenbar sein. Entscheidend ist, dass die Unterst\u00fctzung an reale wirtschaftliche Substanz in der Schweiz ankn\u00fcpft: an Personal, Investitionen, Innovation und unternehmerisches Risiko.<\/p>\n<p>Die Schweiz verf\u00fcgt daf\u00fcr \u00fcber ausgezeichnete Voraussetzungen. Sie beherbergt Weltkonzerne wie Novartis und Roche, zahlreiche internationale Hauptsitze und zentrale Konzernfunktionen. Google hat in Z\u00fcrich einen seiner bedeutendsten Entwicklungsstandorte ausserhalb der USA aufgebaut. Solche Unternehmen kommen nicht wegen eines einzigen Prozentpunkts. Sie kommen wegen des Zusammenspiels von Steuern, Hochschulen, Fachkr\u00e4ften, Infrastruktur, Rechtssicherheit, Lebensqualit\u00e4t und politischer Stabilit\u00e4t. Genau dieses Gesamtpaket muss weiter verbessert werden.<\/p>\n<h1><strong>Welche Reformen braucht es jetzt und wie geht es weiter?<\/strong><\/h1>\n<p>Die ver\u00e4nderte internationale Lage sollte zudem genutzt werden, um Reformen durchzusetzen, die l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig sind.<\/p>\n<p>Erstens geh\u00f6rt die Emissionsabgabe auf Eigenkapital abgeschafft. Sie belastet die Aufnahme neuen Eigenkapitals grunds\u00e4tzlich mit 1%, soweit der Freibetrag von 1 Mio. Fr. \u00fcberschritten wird, und bringt dem Bund durchschnittlich rund 240 Mio. Fr. pro Jahr. Sie benachteiligt Eigenkapital gegen\u00fcber Fremdkapital, erschwert Rekapitalisierungen und trifft Start-ups h\u00e4ufig, bevor diese \u00fcberhaupt Gewinne erzielen. Im Rahmen der Mindestbesteuerung wird sie zudem nicht als anrechenbare Steuer ber\u00fccksichtigt. Der Bundesratsbericht kommt folgerichtig zum Schluss, dass kosmetische Anpassungen wenig sinnvoll w\u00e4ren und eine Abschaffung die sachgerechte Reformoption darstellt.<\/p>\n<p>Zweitens ist die Pflicht der Kantone zur Erhebung einer Kapitalsteuer zu \u00fcberdenken. Eine Steuer auf Eigenkapital wird auch in Verlustjahren f\u00e4llig, belastet junge Unternehmen und f\u00fchrt im Zusammenspiel mit der Mindeststeuer zu zuf\u00e4lligen \u00dcber- und Unterbelastungen. Der Bericht schl\u00e4gt deshalb ausdr\u00fccklich vor, die Erhebungspflicht aus dem Steuerharmonisierungsgesetz zu streichen. Die Entscheidung k\u00f6nnte damit wieder den Kantonen \u00fcberlassen werden.<\/p>\n<p>Drittens braucht es bei der Verrechnungssteuer einen neuen Anlauf. Der heutige Satz von 35% benachteiligt den Schweizer Fremdkapitalmarkt und veranlasst Unternehmen, Obligationen \u00fcber ausl\u00e4ndische Gesellschaften zu begeben. Der Wechsel zum Zahlstellenprinzip k\u00f6nnte den Sicherungszweck f\u00fcr inl\u00e4ndische Steuerpflichtige erhalten und ausl\u00e4ndische Anleger vom Abzug entlasten. Das w\u00e4re steuerlich neutraler und w\u00fcrde Finanzierung, Wertsch\u00f6pfung und Arbeitspl\u00e4tze in die Schweiz zur\u00fcckholen.<\/p>\n<p>Viertens sind die Einkommenssteuern st\u00e4rker auf Erwerbsanreize auszurichten. Eine Abflachung der Progression, weniger Abz\u00fcge und tiefere Grenzsteuers\u00e4tze m\u00fcssen ernsthaft gepr\u00fcft werden. Eine Flat Rate Tax darf jedoch nicht mechanisch eingef\u00fchrt werden: Das vom Bundesrat untersuchte aufkommensneutrale Modell w\u00fcrde unverheiratete Personen bis zu einem steuerbaren Einkommen von rund 135&#8217;000 Fr. st\u00e4rker belasten. Eine Reform muss deshalb so ausgestaltet werden, dass Arbeit und Unternehmertum attraktiver werden, ohne den Mittelstand zum Zahlmeister zu machen.<\/p>\n<p>Die Schweiz hat sich trotz Finanzkrise, Pandemie, geopolitischen Spannungen, starkem Franken und zunehmender internationaler Regulierung hervorragend behauptet. Sie verdankt dies nicht einem grossen Masterplan, sondern ihrer F\u00e4higkeit, pragmatisch auf Ver\u00e4nderungen zu reagieren, Verantwortung dezentral zu verteilen und gute Rahmenbedingungen f\u00fcr private Initiative zu schaffen.<\/p>\n<p>Genau diesen Weg muss sie fortsetzen. Die OECD-Mindeststeuer ist kein Grund, den steuerpolitischen Wettbewerb aufzugeben. Sie ist ein Ansporn, ihn intelligenter zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Schweiz soll die Mindeststeuer nicht vergolden, sondern auf das Erforderliche begrenzen. Sie soll ihre Bemessungsgrundlagen international kompatibel ausgestalten, Innovation und reale Wertsch\u00f6pfung f\u00f6rdern, sch\u00e4dliche Kapitalsteuern abbauen und den Kantonen m\u00f6glichst viel Handlungsspielraum belassen. Vor allem soll sie das Ziel nicht aus den Augen verlieren: <strong>ein einfacheres, berechenbares und international robustes Steuersystem mit m\u00f6glichst moderater Belastung.<\/strong><\/p>\n<p>Die Schweiz ist heute einer der attraktivsten Wirtschaftsstandorte der Welt. Die Aufgabe besteht nicht darin, ein gescheitertes Modell zu reparieren. Sie besteht darin, ein erfolgreiches Modell entschlossen weiterzuentwickeln.<\/p>\n<p><strong>Wie wirkt sich die Mindeststeuer auf Ihr Unternehmen aus?<\/strong><\/p>\n<p>Die globale Mindestbesteuerung ver\u00e4ndert die Rahmenbedingungen f\u00fcr international t\u00e4tige Unternehmensgruppen und er\u00f6ffnet zugleich neue Gestaltungsspielr\u00e4ume bei substanzgebundenen F\u00f6rderinstrumenten, Struktur und Standortwahl. Das Steuerteam von LINDEMANNLAW ber\u00e4t Sie und Ihr Unternehmen zu den Auswirkungen der OECD\/G20-Mindeststeuer, zur Optimierung Ihrer Steuerstruktur sowie zu allen weiteren Fragen des schweizerischen und internationalen Steuerrechts. <strong>Kontaktieren Sie uns f\u00fcr eine pers\u00f6nliche Einsch\u00e4tzung Ihrer Situation.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fuw.ch\/steuerpolitik-schweiz-muss-reformstau-jetzt-aufloesen-951831636559\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em><strong>Lesen Sie den vollst\u00e4ndigen Gastkommentar in \u00abFinanz und Wirtschaft\u00bb.<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FuW-Meinungsartikel von Dr. iur. Alexander Schiemenz, LINDEMANNLAW, Juli 2026 Die Schweiz ist steuerlich weiterhin hervorragend aufgestellt. Doch die globale Mindestbesteuerung schm\u00e4lert einen ihrer wichtigsten Standortvorteile. 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