Von Dr. Alexander Lindemann, Founding Partner, Lindemann Law | Veröffentlicht: April 2026
Die politische Aufarbeitung des CS-Debakel führt derzeit zu Forderungen nach strengeren Kapitalvorschriften für systemrelevante Banken. Ziel ist es, ein vergleichbares Krisenszenario künftig zu verhindern. Doch eine einseitige Fokussierung auf höhere Eigenkapitalanforderungen greift zu kurz.
Vertrauen statt Kapital als entscheidender Faktor
Das CS-Debakel war nicht primär das Resultat unzureichender Kapitalisierung. Vielmehr führten strategische Fehlentscheidungen, unzureichendes Risikomanagement und ein nachhaltiger Vertrauensverlust bei Kunden und Märkten zum Scheitern. Selbst formal erfüllte Kapitalquoten konnten den Abfluss von Einlagen letztlich nicht stoppen. Banken scheitern selten an zu wenig Kapital – sondern an mangelndem Vertrauen.
Regulierung im internationalen Wettbewerb
Die geplanten Verschärfungen müssen im globalen Kontext betrachtet werden. Finanzzentren wie die USA, Grossbritannien oder Singapur verfolgen Regulierungsansätze, die Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit gezielt ausbalancieren. Eine Überregulierung in der Schweiz birgt das Risiko, Kapital, Geschäft und Talente in andere Jurisdiktionen zu verlagern. Für einen international ausgerichteten Finanzplatz ist dies ein zentraler Standortfaktor.
Stabilität versus Wettbewerbsfähigkeit
Die aktuelle Debatte spiegelt einen klassischen Zielkonflikt wider: Während die Politik – vertreten durch Karin Keller-Sutter – auf maximale Stabilität und den Schutz der Steuerzahler abzielt, warnt die Industrie – unter anderem Sergio Ermotti – vor negativen Auswirkungen auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Beide Perspektiven sind legitim, erfordern jedoch eine differenzierte regulatorische Antwort.
Der eigentliche blinde Fleck: Anreizsysteme und Governance
Die zentralen Lehren aus dem CS-Debakel liegen nicht in der Höhe des Eigenkapitals, sondern in der Qualität der Unternehmensführung. Fehlanreize in Vergütungssystemen, unklare Verantwortlichkeiten und Defizite in der Risikokultur haben wesentlich zur Eskalation beigetragen. Solange kurzfristige Ertragsziele über nachhaltiges Risikomanagement gestellt werden, bleibt jede Reform unvollständig.
Was jetzt entscheidend ist
Eine wirksame Weiterentwicklung des Too-big-to-fail-Regimes sollte daher über Kapitalanforderungen hinausgehen und insbesondere folgende Punkte adressieren:
- Stärkung der Corporate Governance und klarer Verantwortlichkeiten
- Effektivere Aufsicht und konsequente Durchsetzung regulatorischer Vorgaben
- Überarbeitung von Vergütungsstrukturen zur Vermeidung von Fehlanreizen
Die Perspektive von Lindemann Law
Für Finanzinstitute, Vermögensverwalter und Investoren ist entscheidend, regulatorische Entwicklungen nicht isoliert zu betrachten. Die Ausgestaltung der TBTF-Regeln wird unmittelbare Auswirkungen auf Geschäftsmodelle, Standortentscheidungen und internationale Wettbewerbsfähigkeit haben.
Unternehmen sollten daher frühzeitig analysieren, wie sich mögliche regulatorische Anpassungen auf Kapitalstruktur, Governance und strategische Positionierung auswirken.
Lesen Sie den vollständigen Gastkommentar: Finanz und Wirtschaft – „Strengere Kapitalregeln für UBS verfehlen das eigentliche Problem“
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