Die vielbeachtete Kontroverse rund um das Finale des Afrika-Cups 2025 (AFCON) zwischen Marokko und Senegal – und die anschliessend beim Court of Arbitration for Sport (CAS/TAS) in Lausanne eingereichte Berufung – hat einmal mehr die Rolle der Schweiz als führendes globales Zentrum für internationale Sportschiedsgerichtsbarkeit und Streitbeilegung bestätigt.
Wenn nationale Verbände, Clubs, Athleten oder Agenten aus Afrika oder anderen Regionen mit hochkomplexen Streitigkeiten konfrontiert sind, die Verträge, Disziplinarsanktionen, Teilnahmeberechtigungen oder Turnierergebnisse betreffen, entscheiden sie sich zunehmend für ein Schiedsverfahren mit Sitz in der Schweiz – aufgrund von Neutralität, Effizienz und weltweiter Durchsetzbarkeit der Entscheide.
Nachfolgend beantworten wir fünf zentrale Fragen, die Verbände, Clubs, Spieler und ihre Rechtsberater derzeit zum Thema Sportschiedsgerichtsbarkeit in der Schweiz und zur Rolle des CAS beschäftigen.
AFCON 2025: Ein aktuelles Fallbeispiel für das CAS in Lausanne
Das AFCON-Finale 2025, ausgetragen in Marokko und am 18. Januar 2026 in Rabat gespielt, war von einem dramatischen Vorfall geprägt: Senegal führte in der Verlängerung mit 1:0, als der Schiedsrichter einen späten Penalty für Marokko verhängte. Die senegalesische Mannschaft verliess aus Protest für 15 Minuten das Spielfeld, bevor sie zurückkehrte.
Nach einer Berufung der Fédération Royale Marocaine de Football (FRMF) entschied das Berufungskomitee der Confédération Africaine de Football (CAF) am 17. März 2026, dass Senegal das Spiel gemäss den Artikeln 82 und 84 der CAF-Regularien forfait verloren habe. Marokko wurde ein 3:0-Sieg sowie der Titel des AFCON 2025 zugesprochen.
Am 25. März 2026 reichte der senegalesische Fussballverband (FSF) beim CAS eine Berufung ein (Fall CAS 2026/A/12295) gegen CAF und FRMF mit dem Antrag, den Entscheid aufzuheben und Senegal als rechtmässigen Sieger anzuerkennen. Das Verfahren ist derzeit vor einem CAS-Schiedsgericht in Lausanne hängig.
Dieser hochkarätige Streitfall zeigt exemplarisch, dass selbst prestigeträchtigste kontinentale Endspiele letztlich in der Schweiz durch spezialisierte Sportschiedsverfahren entschieden werden.
Warum ist die Schweiz der bevorzugte Sitz für internationale Sportschiedsverfahren?
Die Schweiz vereint politische Neutralität, rechtliche Stabilität und eine hohe Dichte internationaler Sportorganisationen in der Genferseeregion – darunter das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Lausanne, oft als «Olympische Hauptstadt» bezeichnet.
Kapitel 12 des Bundesgesetzes über das Internationale Privatrecht (IPRG) bietet eines der weltweit schiedsfreundlichsten Rechtsregime, mit starker Parteiautonomie, begrenzter gerichtlicher Intervention und einer unterstützenden Gerichtspraxis.
Für Parteien aus Marokko, Senegal und ganz Afrika gilt die Sportschiedsgerichtsbarkeit in der Schweiz als unparteiisch und effizient. Schiedssprüche sind zudem gemäss dem New Yorker Übereinkommen in den meisten Jurisdiktionen weltweit vollstreckbar.
Der Schweizer Schiedsstandort beseitigt damit Bedenken hinsichtlich nationaler oder regionaler Voreingenommenheit und bietet eine neutrale Plattform zur Lösung selbst politisch sensibler Fussballstreitigkeiten.
Was macht den Court of Arbitration for Sport (CAS/TAS) in Lausanne einzigartig?
Das 1984 gegründete und in Lausanne ansässige CAS ist die weltweit führende unabhängige Institution für Sportschiedsgerichtsbarkeit. Es behandelt sowohl ordentliche Schiedsverfahren (vertragliche Streitigkeiten) als auch Berufungsverfahren (Anfechtung von Entscheiden von FIFA, CAF, nationalen Verbänden und anderen Regulierungsorganen).
Mit rund 900–1’000 Fällen pro Jahr in über 50 Sportarten sowie einer Liste von mehr als 300 spezialisierten Schiedsrichtern aus 87 Ländern bietet das CAS eine unvergleichliche Expertise im Sportrecht.
Seine Verfahrensregeln sind speziell auf die dynamische Sportbranche ausgerichtet und gewährleisten Vertraulichkeit sowie – bei Bedarf – beschleunigte Verfahren, was einen entscheidenden Vorteil in internationalen Sportstreitigkeiten darstellt.
Wie gewährleistet der Schweizer Rechtsrahmen die Endgültigkeit und Durchsetzbarkeit von CAS-Entscheiden?
Da der rechtliche Sitz des CAS in der Schweiz liegt, unterliegen sämtliche Entscheide Kapitel 12 des IPRG. Die Schiedssprüche sind endgültig und verbindlich, wobei nur sehr eingeschränkte Anfechtungsgründe vor dem Schweizerischen Bundesgericht bestehen: fehlerhafte Zusammensetzung des Schiedsgerichts, fehlende Zuständigkeit, Überschreitung oder Unterschreitung der Anträge (ultra oder infra petita), Verletzung des rechtlichen Gehörs oder Verstoss gegen den Ordre public.
In der Praxis hebt das Bundesgericht CAS-Entscheide nur in seltenen Fällen auf, was den Parteien ein hohes Mass an Rechtssicherheit bietet. Dieser robuste Rechtsschutz ist einer der Hauptgründe, weshalb Parteien weltweit CAS-Schiedsverfahren in der Schweiz wählen.
Welche Hauptvorteile bietet die Wahl eines CAS-Schiedsverfahrens in der Schweiz für internationale Sportakteure?
Parteien aus Fussball, Tennis, Leichtathletik, Radsport, Basketball, E-Sports und anderen Disziplinen profitieren von mehreren entscheidenden Vorteilen:
• Verfahren sind deutlich schneller als staatliche Gerichtsverfahren und werden oft innerhalb weniger Monate abgeschlossen, was Auswirkungen auf Karrieren, Saisons und Transferfenster minimiert.
• Strikte Vertraulichkeit schützt sensible Geschäftsinformationen, Sponsoringverträge und die Reputation von Clubs, Verbänden und Spitzenathleten.
• Schiedsgerichte, besetzt mit erfahrenen Sportrechtsexperten, treffen rechtlich fundierte und zugleich wirtschaftlich praxisnahe Entscheide.
• Die Kombination aus Schweizer Neutralität, Verfahrenseffizienz und globaler Vollstreckbarkeit gemäss dem New Yorker Übereinkommen bietet ein hohes Mass an Sicherheit und Fairness.
Unabhängig davon, ob es sich um ein kontinentales Finale, einen Millionen-Transfer, eine Dopingsanktion, eine Teilnahmeberechtigung oder eine Vermittlungsprovision handelt – CAS-Schiedsverfahren in der Schweiz bieten einen bewährten und effizienten Weg zu raschen und durchsetzbaren Lösungen.
Bei LINDEMANNLAW verfügen wir über umfassende Expertise in der Sportschiedsgerichtsbarkeit in der Schweiz und vertreten regelmässig Verbände, Clubs, Athleten und Agenten vor dem CAS sowie vor dem Schweizerischen Bundesgericht. Unsere internationale Erfahrung, kombiniert mit fundierten Kenntnissen sportrechtlicher Regelwerke (einschliesslich FIFA- und CAF-Regeln), ermöglicht es uns, strategische und ergebnisorientierte Beratung anzubieten.
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Wenn Sie als Verband, Club, Athlet, Agent oder Intermediär mit einer potenziellen internationalen Sportstreitigkeit konfrontiert sind, ist eine frühzeitige Einbindung erfahrener Spezialisten im Bereich der internationalen Sportschiedsgerichtsbarkeit entscheidend. Wir besprechen gerne, wie LINDEMANNLAW Sie mit strategischer Beratung oder effektiver Vertretung unterstützen kann.
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