Lindemann Law

Schweiz-USA: Warum ein Handelsabkommen weit über Zollobergrenzen hinausgehen muss

Von Alexander Lindemann, Founding Partner, Lindemann Law | Veröffentlicht: März 2026

Die laufenden Handelsverhandlungen zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten haben die Schlagzeilen beherrscht – doch die öffentliche Debatte bleibt auf eine einzige Zahl fixiert: die vorgeschlagene Obergrenze von 15 % für bestimmte amerikanische Zölle auf Schweizer Produkte. Zollobergrenzen sind zwar wichtig, aber wenn man die Verhandlungen auf diese eine Zahl reduziert, geht das Gesamtbild völlig daneben.

Wie Alexander Lindemann in seinem jüngsten Gastkommentar für die Finanz und Wirtschaft argumentiert, geht es nicht um einen Zollkompromiss, sondern um die Grundlage einer langfristigen wirtschaftlichen Partnerschaft zwischen zwei der innovativsten Volkswirtschaften der Welt.

Zwei Innovationskraftwerke, eine Chance

Die Schweiz führt regelmäßig die weltweiten Innovationsrankings an. Die Vereinigten Staaten betreiben den größten Einzelmarkt der Welt und treiben die technologische Entwicklung in den Bereichen künstliche Intelligenz, digitale Plattformen, Biotechnologie und Halbleiter voran. Wenn zwei Innovationsökosysteme dieses Kalibers zusammenkommen, ist das Ergebnis weit mehr als eine Zollerleichterung – es ist eine strukturelle Verbesserung der Investitionsströme, der gemeinsamen Forschung, der Technologieentwicklung und der unternehmerischen Zusammenarbeit.

Für eine kleine, hochinnovative Volkswirtschaft wie die Schweiz ist es ein klarer strategischer Vorteil, amerikanische technologische Entwicklungen und Standards frühzeitig zu erkennen und selektiv zu übernehmen. Unternehmen, die globale Trends schnell integrieren, gewinnen einen messbaren Wettbewerbsvorteil.

Ein modularer Ansatz ist der realistische Weg nach vorn

Ein umfassendes Freihandelsabkommen zwischen zwei hoch entwickelten Volkswirtschaften kann nicht über Nacht ausgehandelt werden – solche Prozesse dauern in der Regel Jahre. Die klügere Strategie ist ein modularer Verhandlungsansatz: Setzen Sie Prioritäten in einigen kritischen Bereichen und erzielen Sie dort zuerst verbindliche Fortschritte.

Zu den wichtigsten Prioritäten sollten gehören:

  • Vorhersehbare Zölle für Industriegüter – das gibt Schweizer Exporteuren die Planungssicherheit, die sie brauchen, um in die USA zu investieren und ihre Geschäftstätigkeit zu erweitern.
  • Regulatorische Zusammenarbeit in innovationsgetriebenen Sektoren – eine Angleichung bei technischen Standards, Genehmigungsverfahren und Konformitätsbewertungen könnte wirtschaftliche Vorteile bringen, die mit traditionellen Zollsenkungen vergleichbar sind und Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks zugute kommen.
  • Klare Regeln für die digitale Wirtschaft – insbesondere für den grenzüberschreitenden Datenverkehr, der das Rückgrat des modernen Handels mit Dienstleistungen und Technologie ist.

Lassen Sie sich nicht von kurzfristigem Lärm vom strategischen Ziel ablenken

Es wäre ein Fehler, die Verhandlungen durch kurzfristige politische oder rechtliche Entwicklungen in Washington auszubremsen. Selbst wenn einzelne Zollmaßnahmen gerichtlich überprüft werden – bis hin zum Obersten Gerichtshof der USA – bleibt das strategische Ziel unverändert. Hier geht es nicht um eine vorübergehende Zollregelung. Es geht um den Aufbau einer dauerhaften wirtschaftlichen Partnerschaft zwischen zwei innovationsgetriebenen Volkswirtschaften.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Für Schweizer Unternehmen, die auf dem US-Markt tätig sind oder dorthin exportieren, ist die Botschaft klar:

  • Verfolgen Sie die Verhandlungen aktiv. Der modulare Ansatz bedeutet, dass der Fortschritt schrittweise erfolgen kann – wer früh dran ist, wird profitieren.
  • Überprüfen Sie Ihre Strategie für den US-Markt. Eine engere wirtschaftliche Partnerschaft eröffnet neue Wege für Investitionen, F&E-Zusammenarbeit und Marktzugang.
  • Bewerten Sie die Möglichkeiten zur Anpassung an die Vorschriften. Insbesondere in den Bereichen Technologie, Biowissenschaften und Finanzdienstleistungen kann eine frühzeitige Anpassung an neue US-Standards ein Wettbewerbsvorteil sein.
  • Engagieren Sie sich bei Branchenverbänden und Handelsgremien. Der Beitrag des Privatsektors ist entscheidend für die Gestaltung der Verhandlungsprioritäten.

Die Perspektive von Lindemann Law

Als Schweizer und europäische Anwaltskanzlei, die internationale Unternehmer, Investmentfonds, Vermögensverwalter und Banken berät, verfolgt Lindemann Law diese Verhandlungen genau. Das potenzielle Handelsabkommen berührt Kernbereiche unserer Praxis – grenzüberschreitende regulatorische Compliance, internationale Investitionsstrukturen und Marktzugangsstrategien.

Wenn Ihr Unternehmen auf dem US-Markt tätig ist, sollten Sie jetzt prüfen, wie sich eine engere Wirtschaftspartnerschaft zwischen der Schweiz und den USA auf Ihr Geschäft und Ihre strategische Positionierung auswirken könnte.

Alexander Lindemann ist Rechtsanwalt und Gründungspartner von Lindemann Law. Als Schweizer und europäischer Anwalt und Steuerberater berät er Forbes-Milliardäre, Unternehmer, Investmentfonds, Vermögensverwalter und Banken in rechtlichen, regulatorischen und steuerlichen Fragen.

Lesen Sie den vollständigen Gastkommentar: Finanz und Wirtschaft – „Ein Abkommen mit Washington muss weit mehr als eine Zollobergrenze sein“

Haben Sie Fragen dazu, wie sich die Handelsverhandlungen zwischen der Schweiz und den USA auf Ihr Unternehmen auswirken könnten? Kontaktieren Sie Lindemann Law für eine Beratung.

Credit Suisse AT1-Anleihen: Bundesgericht soll FINMA-Abschreibung überprüfen

Legal500 GC SUMMIT SWITZERLAND 2026 – LINDEMANNLAW Slot-Übersicht

Legal500 GC SUMMIT SCHWEIZ 2026

Weitere Expertisen

Nach oben scrollen