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Five × Five: Das Atom-Neubauverbot ist ein stilles Standortverlagerungsgesetz

Die Schweiz trifft im Stillen eine Entscheidung, die ihre Wirtschaft für die nächsten zwei Jahrzehnte prägen wird – und die meisten Debatten werden noch immer mit den Annahmen von 2011 geführt, nicht mit den Realitäten von 2026. In seinem Gastkommentar für die Finanz und Wirtschaft argumentiert unser Managing Partner Dr. Alexander Schiemenz, dass das Atom-Neubauverbot faktisch zu einem stillen Standortverlagerungsgesetz geworden ist: eine Massnahme, die nicht nur die Energiepolitik prägt, sondern droht, die industrielle und digitale Zukunft der Schweiz ins Ausland zu verlagern.

Sein zentraler Punkt: Dies ist keine Debatte mehr über Reaktoren. Es ist eine Debatte über Souveränität, Infrastruktur und darüber, welche Art von Wirtschaft die Schweiz 2045 mit Strom versorgen können will. Nachfolgend fassen wir die fünf Fragen zusammen, die er der Schweizer Politik stellt, sowie die fünf Dinge, die seiner Ansicht nach jetzt geschehen müssen.

  1. Ist die Versorgungslücke real?
    Die Schweiz verbraucht heute 57 TWh. Bis 2050 steigt die Nachfrage auf 75–90 TWh. Beznau, Gösgen und Leibstadt gehen vom Netz. Das ergibt eine strukturelle Lücke von 20–35 TWh. Kein Szenario schliesst sie ohne entweder neue Bandenergie oder dauerhafte Importabhängigkeit.
  2. War das Neubauverbot je ein direktdemokratischer Auftrag?
    Die Abstimmung von 2017 genehmigte die Energiestrategie 2050 als Paket – nicht ein eigenständiges Technologieverbot. 2003 lehnten zwei Drittel der Schweizer Stimmberechtigten sowohl «Strom ohne Atom» als auch den MoratoriumPlus ab. 2016 lehnte eine Mehrheit eine Begrenzung der Laufzeiten ab. 59 % der Schweizerinnen und Schweizer halten heute Kernkraft der neuen Generation für sinnvoll.
  3. Ist dies Energiepolitik – oder Infrastrukturpolitik?
    Drei Millionen Elektrofahrzeuge, KI-Rechenzentren, Wärmepumpen-Quartiere. Strom ist das Fundament der nächsten Wirtschaft der Schweiz, nicht eine Variable unter vielen. Die jetzt getroffene Entscheidung bestimmt, welche Infrastruktur 2045 existiert. Das ist keine Energiefrage. Es ist eine souveräne Infrastrukturentscheidung.
  4. Was bedeutet Importabhängigkeit tatsächlich?
    Jede TWh, welche die Schweiz importiert, ist eine TWh, die anderswo produziert wird – in französischen Kernkraftwerken, in deutschen Gasturbinen, in kohlegestützter europäischer Netzkapazität. Energiesouveränität ist keine Abstraktion. Sie ist ein geopolitischer und wirtschaftlicher Vorteil, den die Schweiz historisch geschützt hat und nun im Stillen aufzugeben droht.
  5. Sind neue Reaktoren mit moderner Stadtplanung vereinbar?
    Kleine modulare Reaktoren (SMR) haben den Flächenbedarf eines halben Fussballfelds. Sie können gleichzeitig Strom und Wärme für ein ganzes Stadtquartier liefern. Die Frage ist nicht mehr, ob Kernkraft in eine nachhaltige Stadt passt. Sie ist, ob die Schweiz es sich leisten kann, diese Option nicht zu prüfen.

Fünf Dinge, die jetzt geschehen müssen

  1. Das Neubauverbot aufheben – und die Technologieprüfung öffnen. Kein Entscheid zu bauen, sondern ein Entscheid zu prüfen.
  2. Eine unabhängige Machbarkeitsstudie zum Einsatz von SMR in der Schweiz in Auftrag geben, getrennt von Lobbypositionen beider Seiten.
  3. Den erforderlichen Netzinvestitionsbedarf definieren, um die Versorgungslücke unabhängig vom Ausgang der Kernkraftfrage zu schliessen – die Lücke ist real, unabhängig davon, was sie füllt.
  4. Einen klaren Zeitplan festlegen: Wird eine Abstimmung ausgelöst, muss sie auf den Fakten von 2026 geführt werden, nicht auf den Ängsten von 2011.
  5. Die Souveränitätsfrage von der Umweltdebatte trennen. Beide verdienen ehrliche Antworten. Sie zu vermischen dient keiner von beiden.

Energie-, Infrastruktur- und Souveränitätsfragen dieser Grössenordnung haben reale rechtliche, regulatorische und investitionsbezogene Auswirkungen für Unternehmen, Investoren und Vermögensinhaber mit Bezug zur Energiezukunft der Schweiz. Bei Lindemann Law beraten wir genau an diesen Schnittstellen von Regulierung, Investition und langfristiger Strategie. Wenn Sie besprechen möchten, was diese Entwicklungen für Ihre Organisation bedeuten, kontaktieren Sie unser Team – wir helfen Ihnen gerne.


Lesen Sie den vollständigen Gastkommentar in der Finanz und Wirtschaft.

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